Manuela Dolf von den Kaarster „Blindgängern“, einer Initiative für Menschen mit Sehbehinderung, bringt es auf den Punkt: „Endlich hat jemand an uns gedacht“, freut sie sich, als sie gemeinsam mit Gesine Wächter, ebenfalls sehbehindert, das taktile Bodenleitsystem auf dem neuen Parkplatz von Rewe Röttcher an der Neusser Straße testet. Mit ihren Orientierungs- und Mobilitätsstöcken tasten sich die Frauen vorsichtig auf dem Fußweg neben dem Parkplatz entlang. Zunächst über die vertikal angebrachten Leitstreifen: „Sie geben die Richtung vor“, erklärt Wächter den Sehenden. Die Streifen münden in eine horizontale Fläche mit Noppen: „Sie signalisieren: Aufpassen!“, sagt Wächter. Denn mithilfe ihrer Stöcke gelangen die Sehbehinderten dann auf eine sogenannte leere Aufmerksamkeitsfläche ohne Leitsystem.
Geschäftsführer Thomas Röttcher erklärt, dass dieses Areal als Ausweichfläche für Autos angelegt werden musste. Wächter und Dolf gehen deshalb dicht an der Wand entlang, die den Parkplatz begrenzt und stoßen dann wieder auf das System mit Linien und Noppen und bewegen sich so sicher bis zum Markteingang. Wächter ist voll des Lobes: „Ich finde das Ganze super und kann jetzt wieder hier einkaufen“, meint sie. Dolf hat den Markt seit zehn Jahren nicht mehr genutzt – auf dem engen Parkplatz fühlte sie sich äußerst unwohl und ging öfters unfreiwillig mit Autos auf Tuchfühlung. Jetzt traut sie sich wieder alleine dorthin: „Ich bin sehr froh, dass Herr Röttcher alles so gut organisiert und mir das Konzept zuvor geschickt hat. Das hat er gemacht und nicht die Stadt“, betont sie. Röttcher ergänzt, dass es für ihn sehr wichtig war, auch die „Blindgänger“ mit einzubeziehen. Überhaupt sei beim Neubau des Parkplatzes eine behindertengerechte und barrierefreie Konzeption auf seinen Wunsch hin berücksichtigt worden: „Das kam on top dazu“, so der Marktleiter.
5. Dezember 2025 —Neuss-Grevenbroicher Zeitung von Elisabeth Keldenich

